Hauptpastorin Pröpstin Astrid Kleist schreibt an ihre Gemeinde

Wöchentlich schreibt Hauptpastorin Pröpstin Astrid Kleist einen Brief an die Gemeinde – hier nun der 59. Brief in Corona-Zeiten zum Sonntag Exaudi.

Liebe Gemeinde,

„schaut hin!“ heißt das Leitwort des 3. Ökumenischen Kirchentags, der diesen Donnerstag beginnt. Für alle, die schon einmal an Kirchentagen teilgenommen haben, stellen sich sofort Bilder ein von Festival-Atmosphäre, intensiven Bibelarbeiten und Podiumsdiskussionen in übervollen Hallen; dazu Großgottesdienste unter freiem Himmel und emsiges Getümmel in der ganzen Stadt. Für manche ein Graus, für viele ein freudig erwarteter Höhepunkt.

Auch der diesjährige Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main lebt von Gemeinschaft und geht darum in diesem Jahr neue Wege: digital und dezentral. Damit möglichst viele teilnehmen können – der Pandemie zum Trotz. Von Donnerstag bis Sonntag kann, wer mag, von zu Hause aus mitfeiern, mitdenken und dabei sein – unter www.oekt.de.Alle Videostreams können hier ohne vorherige Anmeldung kostenlos abgerufen werden. 

Ein reiches Angebot erwartet alle, die sich interessieren:

Seien es die allmorgendlichen Bibelarbeiten z.B. mit Eckhard von Hirschhausen, Margot Käßmann oder der Lyrikerin Nora Gomringer; seien es Hauptpodien mit Politiker*innen wie Persönlichkeiten unserer Zeit zu relevanten Fragen wie: „Wie glaubwürdig sind die Kirchen?“ oder „Wer zahlt die Rechnung der Corona-Pandemie?“, „Abschied in Würde“ oder „Sind wir noch zu retten?“ – eine Diskussion zu Schöpfung und Klimakrise.

Auch viele gottesdienstliche und spirituelle Angebote wird es digital geben, die ermuntern, auch auf diesen Wegen geistliche Nahrung für sich zu finden.

Ich gebe zu, ich fühlte mich von der Fülle ein wenig erschlagen, als ich anfing, mich auf der Website des ÖKT zu orientieren. Das allerdings habe ich bisher auch auf jedem analogen Kirchentag so empfunden. Eigentlich schön, dass manches gleich bleibt, wo  so vieles in diesen Zeiten anders ist.

Auch etwas, das mich im ersten Moment amüsiert hat, habe ich bei meiner Recherche gefunden: „Das Ökumenische Grüne-Soße-Gebet“!

Es entpuppte sich als ein Gebet, in dem die Grünkraft Gottes Ausdruck findet, ähnlich wie Hildegard von Bingen sie beschrieb: eine universale Kraft in der Natur, die Leben schafft, erhält und fördert. Von Hildegard „Grünkraft“ genannt, wohl, weil das Leben in der Natur oft in der Farbe Grün zutage tritt.

Jedes der sieben Kräuter, die es für die traditionsreiche wie schmackhafte Frankfurter Grüne Soße braucht, wird in dem Gebet zum Anlass genommen, Gott um heilsame wie reinigende, energiereiche wie entkrampfende „Grünkraft“ zu bitten, die es für unser Leben und für eine heilsame Ökumene braucht.

Ökumenisches Grüne-Soße-Gebet

„Wir sind hineingenommen in die Gemeinschaft der Liebe, die Gott selbst ist. Wir sind untereinander verbunden im Namen des Vaters und des Sohnes und der Heiligen Geistkraft.

Gott, wir danken dir für unsere ökumenische Gemeinschaft. Sie ist so würzig, heilsam und vielfältig wie die sieben Kräuter der Grünen Soße.“

Borretsch heißt auch Herzfreude, Wohlgemutsblume oder Liebäuglein, weil er die Stimmung aufhellt. Komm, Heilige Geistkraft, tröste uns. Füll unser Herz mit Freude und mach unsere Augen hell!

Petersilie hat reinigende Kräfte: Gott, lass uns erkennen, dass du mit deiner Kraft in uns wirkst.

Kerbel ist eine Pflanze mit Widerstandskraft: Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich. (Isa 41:10)

Kresse hat ihren Ursprung im Orient und gibt Energie. Heilige Geistkraft, du belebst uns und weckst unsere Leidenschaft: für deine Botschaft, füreinander.

Pimpinelle stammt aus Asien und gehört heute selbstverständlich zu Frankfurt. Sie löst innere Krämpfe. Gott, hilf uns, wenn wir verkrampft miteinander umgehen. Löse unsere Vorbehalte.

Sauerampfer hilft bei Verletzungen. Gott, heile, die zerbrochenen Herzens sind, und verbinde ihre Wunden! (nach Psalm 147,3)

Schnittlauch stillt innere Aufregung und beruhigt. Sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. (Psalm 62,6)

Du, Dreieiner Gott, trägst uns. Du schenkst Heilung durch die Gaben deiner Schöpfung. Du bist unsere Heilung. Du bist Heil. Amen.

(Fundort: https://static.oekt.de/fileadmin/2021/pdf/oekt-materialheft-tagzeitengebete.pdf)

Dass auch ein entsprechendes Grüne-Soße-Rezept auf der Website zu finden ist, versteht sich von selbst…

Gott öffne uns alle Sinne für das göttliche Geheimnis in allem, was grünt und lebt – „schaut hin!“

Herzlich,
Ihre Astrid Kleist