Hauptpastorin Pröpstin Astrid Kleist schreibt an ihre Gemeinde

Wöchentlich schreibt Hauptpastorin Pröpstin Astrid Kleist einen Brief an die Gemeinde – hier nun der 13. Brief in Corona-Zeiten.

Liebe Gemeinde,

das war schon ein eigentümliches Gefühl, am Pfingstsonntag zur Begrüßung vor der Gemeinde zu stehen und spontan zu denken: „Hui, so voll ist unsere Kirche!!“ Dabei waren die Bänke den Vorgaben entsprechend nur spärlich zu belegen und alle saßen mit großen Abständen im gesamten Kirchenschiff verteilt. Wie rasch sich die Wahrnehmung und das Empfinden verändern können…

Vieles jedoch, woran ich mich in dieser Zeit nicht gewöhnen kann und will. Dazu gehört der weiterhin wegfallende Gemeindegesang – so sehr ich uns glücklich schätze und dankbar bin, dass wir so fantastische und hochengagierte Sängerinnen und Sänger in unseren Ensembles wissen dürfen, die uns Sonntag für Sonntag durch ihren Gesang erbauen!

Etwas, wofür es nach meinem Empfinden hingegen nur schwerlich einen Ersatz geben kann, ist, dass wir einander nach wie vor weder in der gewohnten Art begrüßen noch uns voneinander verabschieden können. Zwar lerne ich mehr und mehr, die Gesichter hinter dem Mund- und Nasenschutz zu erkennen und genauer in die Augen zu schauen, um die Stimmungen besser ablesen zu können. Aber es ist doch ungleich schwerer, einander zu verstehen und sich auszutauschen – zumal bei vollem Glockengeläut und ohne Kirchencafé!

Umso intensiver habe ich in diesem Jahr die Pfingstgeschichte gehört und begierig ihre frohe Botschaft in mich aufgenommen. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich mich zuletzt so intensiv gefreut habe, das Kommen des Heiligen Geistes zusammen zu feiern: des himmlischen Trösters und Beistands, der Kraft aus der Höhe, wie sie Jesus verheißen hat. Jener Atem Gottes, der uns belebt und einen kann. Der Verständigung schafft, wo Unfriede herrscht; der tröstet, erbaut und in Bewegung hält.

Bei Karl Rahner, einem bedeutenden Theologen des 20. Jahrhunderts, entdeckte ich kürzlich eine Art Lobpreis und Credo, das dem Geist Gottes gewidmet ist. Vielleicht vermag es Sie ähnlich wie mich zu berühren:

Ich glaube an den Heiligen Geist
(P. Karl Rahner SJ)

Ich glaube an den Heiligen Geist

Ich glaube,
dass er meine Vorurteile abbauen kann.
Ich glaube,
dass er meine Gewohnheiten ändern kann.
Ich glaube,
dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann.
Ich glaube,
dass er mir Fantasie zur Liebe geben kann.
Ich glaube,
dass er mir Warnung vor dem Bösen geben kann.
Ich glaube,
dass er mir Mut für das Gute geben kann.
Ich glaube,
dass er meine Traurigkeit besiegen kann.
Ich glaube,
dass er mir Liebe zu Gottes Wort geben kann.
Ich glaube,
dass er mir Minderwertigkeitsgefühle nehmen kann.
Ich glaube,
dass er mir Kraft in meinem Leiden geben kann.
Ich glaube,
dass er mir einen Bruder an die Seite geben kann.
Ich glaube,
dass er mein Wesen durchdringen kann.
Ich glaube,
weil ich bete.

 

Seien Sie ganz herzlich gegrüßt!

Ihre

Hauptpastorin Astrid Kleist