Kirchenraum

Ursprünglich war St. Jacobi eine kleine Kapelle an einem Pilgerweg. Im 14. Jahrhundert wurde die dreischiffige Backsteinhallenkirche errichtet, die wir heute kennen. Im 15. Jahrhundert entstand das zweite südliche Seitenschiff, das inzwischen durch große Glasfenster abgetrennt ist. 

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude bis auf die Grundmauern zerstört, im Anschluss jedoch in der ursprünglichen gotischen Hallenform wieder aufgebaut. Vor dem Krieg war ein Großteil der Ausstattung eingelagert worden, so dass viele Kunstwerke dennoch erhalten blieben. 

Neben den drei Altaraufsätzen aus dem späten Mittelalter – im Chor von Haupt- und Seitenschiffen aufgestellt – und den von 1957 bis 1961 entstandenen Fenstern Carl Crodels, birgt das Kirchenschiff zahlreiche Kunstwerke aus dem 17. Jahrhundert: Epitaphien – Denkmale für Verstorbene, eine Reihe bedeutender Gemälde wie die Vanitas-Allegorie David Kindts und Joachim Luhns große Ansicht der Stadt Hamburg von 1691 sowie die Kanzel, die einen Glanzpunkt frühbarocker Steinbildhauerkunst in Hamburg darstellt.

Bemerkenswert sind auch die Gemälde biblischer Historien, die heute an den Orgelemporen angebracht sind und den Brüstungen der Emporen entstammen, die früher im Kirchenraum eingezogen waren. Otto Wagenfeldt und Joachim Luhn, zwei bedeutende Hamburger Historienmaler des 17. Jahrhunderts, schufen diese Emporenbilder mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament nach Stichen von Rubens und Rembrandt.

 

Altäre 

In St. Jacobi stehen drei Altäre (genauer gesagt: Flügelretabel) aus der Zeit um 1500 – Zeugnisse spätmittelalterlicher Frömmigkeit, in der die Marien- und Heiligenverehrung in Blüte stand. Noch 1525, also kurz vor Einführung der Reformation in Hamburg, zählte man in St. Jacobi 20 Nebenaltäre, die an den Pfeilern aufgestellt waren. Nach der Reformation wurden die meisten Nebenaltäre entfernt, einige der Retabel jedoch – vor allem die Stiftungen der handwerklichen Bruderschaften und Zünfte – blieben erhalten.

Der Trinitatisaltar (Altar der Böttcher, um 1510) fand seine endgültige Aufstellung im Hauptchor, der Petrialtar (Altar der Fischer, um 1508) und der aus dem Hamburger Dom stammende Lukasaltar der Maler (1499) in den beiden Südschiffen. 

 

Chorfenster von Carl Crodel

Die vier Fenster des Altarraums und die beiden des südlichen Nebenchors zeigen Glasmalereien von Carl Crodel (* 1894 in Marseille; † 1973 in München), die 1957 bis 1961 entstanden sind, nachdem die farbigen Fenster des 19. Jahrhunderts sämtlich im 2. Weltkrieg zerstört worden waren. 

Im Hauptchor illustrieren die farbig-figuralen Fenster die Geburt Jesu, Passion, Himmelfahrt und Ausgießung des Heiligen Geistes - entsprechend dem Ablauf des Kirchenjahres. Die Fenster des Südschiffs widmen sich der Taufthematik. Crodels Glasmalereien sind von nahezu teppichhaft-dekorativer Wirkung. Klar konturierte Figuren lässt er mit fast kindlich-naiver Erzählfreude agieren. Der Reiz liegt in der Einfachheit der Darstellung, die jedoch manch überraschenden Einfall bereithält.